Die unter Denkmalschutz stehende St. Piuskirche in Mannheim-Neuostheim wurde Mitte der 50er Jahre vom Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg als eine der ersten modernen Nachkriegskirchenbauten nach Plänen von Hans Rolli erbaut. Nach Aufgabe ihrer eigenen Kirche im Jahr 2010 feierte auch die evangelische Gemeinde ihre Gottesdienste als Gast in der St. Pius-Kirche. Mit dem Neubau einer ökumenischen Kindertagesstätte wurde der alte Gebäudekomplex mit Pfarrhaus, katholischem Kindergarten und Sakristei der St. Piuskirche abgerissen und die Südfassade wieder geschlossen. Nachdem klar war, dass der Innenraum der St. Piuskirche auch künftig ökumenisch genutzt werden soll, wurden von einem ökumenischen Ausschuss die notwendigen Umbau- bzw. Umgestaltungsmaßnahmen geplant. Er hat in mehrjähriger Arbeit gemeinsam mit dem Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg ein Umgestaltungskonzept entwickelt.
Der Kirchenraum wird nach dem Umbau von der katholischen und der evangelischen Gemeinde für ihre jeweiligen Gottesdienste und auch für ökumenische Feiern genutzt. Dabei ist der Raum und seine liturgische Anordnung sowohl für kleinere Gottesdienste mit 25 Teilnehmern, als auch für größere Gottesdienste mit bis zu 300 Teilnehmern geeignet.
Zusätzlich wurde eine räumlich abgeschlossene Kapelle zur die Nutzung für Werktagsmessen, Andachten und dergleichen für alle Nutzergruppen im Kirchenraum realisiert. Neben den beiden genannten Konfessionen wird seit Jahrzehnten in der Piuskirche auch die Tradition des byzantinischen Ritus gelebt. Die bisherige Kapelle des in St. Pius verorteten Ökumenischen Zentrums Kyrill und Methodius war Teil des abgerissenen Kindergarten- und Sakristeibaus.
Im Zentrum der Konzeption steht der gemeinsame liturgische Feierraum für die wöchentlichen Gottesdienste der beiden Gemeinden. Dieser wird von der großen Dreierportalanlage durch den ellipsenförmigen Einbau einer Werktagskapelle abgeschirmt. Zwischen dieser und den Eingangstüren entsteht ein Kirchenfoyer, welches sich auch für kleinere Empfänge nach dem Gottesdienst und Ähnliches eignet.
Im vorderen Teil der Kirche im erhöhten ehemaligen Altarbereich steht in der Kirchenachse unverändert der Tabernakel unter dem charakteristischen historischen Baldachin. Zwischen Stufenanlage und Tabernakel liegt der Taufbereich, der gemeinsam von beiden Konfessionen genutzt wird. Es entsteht für den Gesamtraum eine klare Zonierung in drei Bereiche: Foyer – liturgischer Feierraum – Taufort und Tabernakel.
Die Werktagsgottesdienste im byzantinischen Ritus finden künftig in der neuen Werktagskapelle im hinteren Teil der Kirche statt. Die überkommene Ausstattung mit kleinem Altar, Ikonostase und Ikonen wurden dorthin übertragen.
Außerhalb der byzantinischen Gottesdienste wird die dafür notwendige Ausstattung über eine bewegliche Wand temporär nach Bedarf abgeschirmt, so dass der übrige Bereich der Kapelle auch als Andachtsort für die evangelische und katholische Gemeinde dienen kann. Die besondere Gestaltung der Glasoberfläche der Kapelle gibt Zeugnis vom starken ökumenischen Gedanken der Konfessionen.
Es war der explizite Wunsch der beiden Gemeinden, den vorhandenen Taufstein als gemeinsames Zeichen gut sichtbar in der Kirchenachse im ehemaligen Chorraum aufzustellen und dort künftig Tauffeiern mit kleineren Gruppen abzuhalten. Auch für die Taufe im Angesicht der Gemeinde im Rahmen eines größeren Gottesdienstes eignet sich der gewählte Aufstellungsort sehr gut.
Die große Orgel steht weiterhin für die Gottesdienste beiden Konfessionen zur Verfügung. Auf Wunsch der evangelischen Thomasgemeinde wurde die kleinere Orgel aus der Thomaskirche als neue Chororgel in die Piuskirche transferiert und an der südlichen Außenwand vor dem ehemaligen Chor aufgestellt. Auf die vorhandenen Stufen zum ehemaligen Chor sind neue Sitzstufen aufgesetzt, die sich in besonderer Weise für die Sänger und Sängerinnen der verschiedenen Chöre zur Aufstellung eignen.
Aufgrund des notwendigen Abbruchs der alten Sakristei, die baulich mit dem Kindergarten verbunden war, entstand die Notwendigkeit den Sakristeiraum neu zu schaffen. Die barrierefreie Sakristei wurde an der nördlichen Außenwand im Kontext zum Klinkerbau der vorhandenen Raumschale realisiert.
Abgerundet wurde die Gesamtmaßnahme durch ein Glockenprojekt: die Translozierung der Thomasglocke und den Neuguss von zwei ökumenischen Glocken.
