Der Neubau liegt in der Freiburger Innenstadt in unmittelbarer Nähe zum Münster Unserer Lieben Frau und dem Ordinariatsgebäude. Da die Bebauung des Grundstücks nicht über einen Bebauungsplan geregelt war, musste sich der Neubau in die Umgebung einfügen. Deshalb wurden die für den Wiederaufbau der Freiburger Innenstadt geltenden Vorgaben auch heute noch eigesetzt: So erhielt das Haus ein steiles Ziegeldach, stehende Fenster und eine verputzte Außenhaut. Trotzdem sollte es seine Entstehungszeit nicht verbergen. Für die Fensterlaibungen wurden deshalb nicht der übliche Sandstein, sondern Fertigteile in Sichtbeton eingesetzt.
Die Häuser in der Freiburger Herrenstraße wurden im II Weltkrieg weitgehend zerstört. Beim Wiederaufbau wurden die Gebäude teilweise mit veränderter Höhenent-wicklung wiederhergestellt: Die Ladennutzungen in den Erdgeschoßen entfielen und die meisten Gebäude wurden als Wohnhäuser mit zwei Vollgeschoßen wiederaufgebaut. Dadurch änderte sich der Querschnitt und der Charakter des Straßenzuges. Beim nun fertig gestellten Neubau wurden im Erdgeschoß wieder ein Ladengeschäft und in den beiden Obergeschoßen Büroräume eingeplant – die neue Gebäudehöhe entspricht in etwa der ursprünglichen Bebauung vor dem II Weltkrieg.
Die Gebäudeecke auf der Nordseite bildete schon beim Vorgängerbau einen Absatz in der Gebäudeflucht. Diese Eckausbildung wurde beibehalten und für die Gestaltung des Eingangs genutzt. Über dem zurückliegenden kleinen Vorraum ragt die Figur des Heiligen Raimund von Penafort in den Straßenraum. Er ist der Patron der Kirchenrechtsgelehrten und verweist auf die Nutzung des Hauses durch das Erzb. Offizialat. Die Legende berichtet, dass der Heilige vor dem König Jakob I von Aragon fliehen musste. Da ihm kein Schiff zur Verfügung stand - gelang ihm die Flucht über das Meer mit Hilfe seines Mantels. Die Betonplastik von Herrn Wolfgang Eckert aus Furtwangen verkörpert die Legend in einer ausdruckstarken Formensprache.
Daten
Bauherr: Erzb. Stuhl Freiburg - Kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts
Nutzung: EG Ladengeschäft, Obergeschoße Büros, Dachgeschoß Konferenzraum – Erzb. Offizialat Freiburg
Bauzeit: Januar 2016 - Januar 2018
Tragkonstruktion und Außenwände: Beton und Ziegelmauerwerk
Dachform: Satteldach; Holzdachstuhl mit Ziegeldeckung, DN 50°.
Haustechnik: im Keller und im Dachspitz untergebracht
Historische, alte Rinnen: dokumentiert und im Bereich des Dillengässle freigelegt
Nachtauskühlung: Außenfenster mit Glaslamellen und Eichenflügel
